2.438 Kalorien verbraucht, davon 684 durch Aktivität: Fitnessuhren präsentieren solche Werte mit beeindruckender Genauigkeit. Die Zahl besitzt keine Nachkommastellen, verändert sich laufend und vermittelt dadurch den Eindruck, der Energieverbrauch des Körpers werde direkt gemessen. Genau das passiert allerdings nicht. Eine Smartwatch kann zwar Bewegung und Herzfrequenz erfassen, aber sie besitzt keinen Sensor, der verbrannte Kilokalorien direkt zählt. Der angezeigte Energieverbrauch ist eine Berechnung, die auf verschiedenen Messwerten und Annahmen beruht.
Das bedeutet nicht, dass die Kalorienanzeige völlig wertlos wäre. Moderne Wearables können ausgezeichnete Trainingsbegleiter sein und Entwicklungen der Aktivität sichtbar machen. Gerade der konkrete Kalorienwert gehört jedoch zu den Messgrößen, bei denen vergleichsweise große Abweichungen auftreten können. Wer mit einer Uhr Gewicht reduzieren, seinen Energiebedarf bestimmen oder exakt berechnen möchte, wie viel er nach einem Training zusätzlich essen darf, sollte deshalb verstehen, was die angezeigte Zahl tatsächlich bedeutet.
Die Uhr misst keine Kalorien
Kalorien sind eine Einheit für Energie. Um den Energieverbrauch eines Menschen präzise zu bestimmen, müsste er deutlich aufwendiger untersucht werden, als dies mit einem Sensor am Handgelenk möglich ist. In der Forschung kann beispielsweise über die Atemgase bestimmt werden, wie viel Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird. Daraus lässt sich der Energieumsatz während einer Aktivität relativ genau berechnen.
Eine Fitnessuhr kann solche Werte normalerweise nicht messen. Stattdessen stehen ihr Informationen wie Herzfrequenz, Bewegungsbeschleunigung, Geschwindigkeit, GPS-Daten und persönliche Angaben des Nutzers zur Verfügung. Aus Alter, Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, Puls und erkannten Bewegungsmustern berechnet ein herstellereigener Algorithmus anschließend einen geschätzten Energieverbrauch.
Das Ergebnis sieht wie ein Messwert aus, ist aber eigentlich das Resultat eines mathematischen Modells. Je besser die erfassten Daten und je passender das Modell zur jeweiligen Person und Aktivität sind, desto brauchbarer wird die Schätzung.
Die Herzfrequenz ist häufig genauer als der Kalorienwert
Moderne optische Pulssensoren am Handgelenk funktionieren bei vielen gleichmäßigen Ausdaueraktivitäten inzwischen erstaunlich gut. Beim ruhigen Laufen oder Radfahren können gute Smartwatches häufig Werte liefern, die für normales Training ausreichend genau sind. Trotzdem gibt es auch hier Grenzen, etwa durch starke Armbewegungen, lockeren Sitz, Kälte oder bestimmte Sportarten.
Aus einem einigermaßen korrekt gemessenen Puls wird jedoch nicht automatisch ein ebenso genauer Kalorienverbrauch. Der Zusammenhang zwischen Herzfrequenz und Energieumsatz unterscheidet sich zwischen Menschen. Zwei Personen können bei derselben Herzfrequenz unterschiedliche Mengen Sauerstoff aufnehmen und damit unterschiedlich viel Energie verbrauchen.
Die Uhr muss deshalb erneut schätzen. Genau an diesem Punkt entstehen zusätzliche Unsicherheiten. Untersuchungen von Verbraucher-Wearables zeigen seit Jahren ein ähnliches Muster: Herzfrequenz und Schrittzahl können unter geeigneten Bedingungen relativ brauchbar erfasst werden, während der Energieverbrauch wesentlich größere Abweichungen zeigt.
Eine Abweichung von einigen Kalorien ist nicht das eigentliche Problem
Wenn eine Uhr bei einem Training statt 503 Kilokalorien tatsächlich 480 berechnet, wäre dieser Unterschied für den Alltag ziemlich unbedeutend. Das Problem ist, dass Fehler beim Energieverbrauch wesentlich größer sein können.
Wissenschaftliche Untersuchungen verschiedener Wearables haben immer wieder Abweichungen im zweistelligen Prozentbereich gefunden. In systematischen Auswertungen gehörte der Energieverbrauch regelmäßig zu den ungenauesten Messwerten kommerzieller Aktivitätstracker. Je nach Gerät, Aktivität und untersuchter Person kann sowohl über- als auch unterschätzt werden.
Aus angeblich 600 Trainingskalorien könnten deshalb tatsächlich deutlich weniger oder mehr geworden sein. Für die Motivation spielt das kaum eine Rolle. Wer den Wert allerdings benutzt, um exakt 600 Kilokalorien zusätzlich zu essen, kann dadurch langfristig eine erhebliche Abweichung in seiner Energiebilanz erzeugen.
Unterschiedliche Sportarten sind unterschiedlich leicht zu erkennen
Ein gleichmäßiger Dauerlauf ist für eine Fitnessuhr vergleichsweise einfach zu interpretieren. Der Arm bewegt sich rhythmisch, GPS liefert Geschwindigkeit und Strecke und die Herzfrequenz steigt entsprechend der Belastung. Der Algorithmus verfügt damit über mehrere brauchbare Informationsquellen.
Krafttraining ist wesentlich schwieriger. Die Uhr erkennt zwar Bewegungen des Handgelenks und misst den Puls, weiß aber nur begrenzt, was die Muskulatur tatsächlich leistet. Ein schwerer Satz Beinpresse kann enorme Kräfte erzeugen, obwohl sich das Handgelenk praktisch nicht bewegt. Bei Bizepscurls registriert der Beschleunigungssensor dagegen deutliche Armbewegungen.
Noch komplizierter wird es bei Sportarten mit häufigen Wechseln, Pausen und unterschiedlichen Bewegungsmustern. Fußball, Tennis, funktionelles Training oder Intervalltraining erzeugen eine wesentlich unregelmäßigere Belastung als ein gleichmäßiger Lauf.
Deshalb kann dieselbe Fitnessuhr bei einer Sportart relativ plausible und bei einer anderen deutlich schlechtere Kalorienwerte liefern.
Krafttraining lässt sich besonders schwer in Kalorien übersetzen
Beim Krafttraining konzentrieren sich viele Nutzer ebenfalls auf die Kalorienanzeige. Gerade hier sollte sie allerdings mit großer Zurückhaltung betrachtet werden.
Ein Krafttrainingssatz dauert häufig nur einige Sekunden. Danach folgt eine längere Pause. Die Herzfrequenz kann während und nach dem Satz steigen, bildet die mechanische Arbeit der Muskulatur aber nur teilweise ab. Außerdem können zwei Menschen denselben Puls haben, obwohl einer schwere Kniebeugen und der andere eine wesentlich leichtere Übung absolviert.
Hinzu kommt, dass der Energieverbrauch während der Trainingseinheit gar nicht das wichtigste Qualitätsmerkmal eines Krafttrainings ist. Ziel kann schließlich sein, stärker zu werden oder Muskelmasse aufzubauen. Dafür sind Trainingsgewicht, Wiederholungen, Sätze und langfristiger Fortschritt wesentlich interessanter als die Frage, ob eine Uhr 280 oder 420 Kilokalorien angezeigt hat.
Wer Krafttraining ausschließlich anhand der möglichst höchsten Kalorienzahl bewertet, beurteilt damit möglicherweise genau die falsche Eigenschaft.
Körpergewicht beeinflusst die Berechnung erheblich
Das in der Fitness-App gespeicherte Körpergewicht ist ein wichtiger Bestandteil vieler Kalorienberechnungen. Einen schweren Körper zu bewegen benötigt bei zahlreichen Aktivitäten mehr Energie als die Bewegung eines leichteren Körpers.
Wer deutlich abgenommen oder zugenommen hat, sollte deshalb sein aktuelles Gewicht in der verwendeten Gesundheits-App hinterlegen. Eine Uhr, die weiterhin mit einem alten Wert rechnet, baut diesen Fehler anschließend in zahlreiche Schätzungen ein.
Auch Körperzusammensetzung spielt eine Rolle. Zwei Menschen mit 90 Kilogramm Körpergewicht können völlig unterschiedlich zusammengesetzt sein. Einer besitzt möglicherweise erheblich mehr Muskelmasse, der andere einen höheren Körperfettanteil. Ihr Ruheenergieverbrauch und ihre Reaktion auf körperliche Belastung müssen deshalb nicht identisch sein.
Eine Uhr kennt diese Unterschiede nur teilweise beziehungsweise versucht wiederum, sie aus weiteren Angaben abzuschätzen.
Alter und Geschlecht fließen ebenfalls in die Modelle ein
Fitnessuhren fragen bei der Einrichtung nach verschiedenen persönlichen Daten. Diese Informationen sind nicht nur für die Darstellung eines Nutzerprofils gedacht, sondern können in Berechnungen physiologischer Größen einfließen.
Alter und biologisches Geschlecht werden beispielsweise häufig in Formeln zur Abschätzung des Ruheenergieverbrauchs oder anderer Parameter verwendet. Solche Gleichungen basieren auf Durchschnittswerten größerer Bevölkerungsgruppen.
Ein Durchschnittswert kann für eine einzelne Person allerdings immer danebenliegen. Ein sehr muskulöser 50-Jähriger und ein wenig aktiver gleichaltriger Mensch können trotz identischem Alter, Gewicht und Geschlecht einen unterschiedlichen Energieverbrauch besitzen.
Je stärker eine Person vom Durchschnitt abweicht, auf dem ein Algorithmus basiert, desto größer kann deshalb auch der individuelle Fehler werden.
Die Fitness des Nutzers verändert den Energieverbrauch
Mit zunehmender Ausdauer kann dieselbe körperliche Leistung für einen Menschen leichter werden. Gleichzeitig verändert sich die Beziehung zwischen Herzfrequenz, Sauerstoffaufnahme und äußerer Leistung.
Ein gut trainierter Läufer kann beispielsweise bei einer Geschwindigkeit laufen, die für einen Anfänger bereits sehr anstrengend wäre. Die beiden Körper reagieren unterschiedlich, obwohl sie sich äußerlich mit demselben Tempo bewegen.
Moderne Wearables versuchen einen Teil dieser Unterschiede über langfristig gesammelte Fitnessdaten zu berücksichtigen. Einige Systeme schätzen beispielsweise die maximale Sauerstoffaufnahme und verwenden Trainingshistorie oder individuelle Herzfrequenzbereiche.
Trotzdem bleibt das Ergebnis ein Modell. Die Uhr kennt nicht sämtliche physiologischen Eigenschaften ihres Trägers.
Optische Pulsmessung hat technische Grenzen
Die meisten Smartwatches bestimmen die Herzfrequenz mithilfe der Photoplethysmographie. LEDs senden Licht in die Haut, und Sensoren messen Veränderungen des zurückkehrenden Lichts. Daraus lassen sich Schwankungen des Blutvolumens erkennen und die Herzfrequenz berechnen.
Das funktioniert unter guten Bedingungen erstaunlich zuverlässig. Bewegungsartefakte können die Messung jedoch erschweren. Besonders schnelle Richtungswechsel des Arms oder starkes Anspannen des Handgelenks können die Qualität verschlechtern.
Auch der Sitz der Uhr spielt eine Rolle. Ein zu lockeres Armband lässt den Sensor während der Bewegung verrutschen. Sehr kalte Haut beziehungsweise eine geringe Durchblutung können die Messung ebenfalls erschweren.
Wenn bereits die Herzfrequenz fehlerhaft erfasst wird, kann selbstverständlich auch eine darauf beruhende Kalorienberechnung nicht besser werden.
Ein Brustgurt kann den Puls verbessern, aber nicht direkt die Kalorien
Wer beim Sport einen kompatiblen Brustgurt verwendet, kann die Herzfrequenz während vieler Aktivitäten genauer erfassen. Brustgurte messen die elektrische Aktivität des Herzens und reagieren insbesondere bei schnellen Pulsänderungen häufig zuverlässiger als optische Sensoren am Handgelenk.
Dadurch erhält die Uhr eine bessere Eingangsgröße für ihre Berechnung. Der Kalorienwert wird damit möglicherweise plausibler, verwandelt sich aber trotzdem nicht in eine direkte Messung.
Der Brustgurt kennt ebenfalls nicht den tatsächlichen Sauerstoffverbrauch. Er liefert hauptsächlich eine bessere Herzfrequenz. Die anschließende Übersetzung von Herzschlägen in Energieumsatz bleibt Aufgabe des Algorithmus.
Für herzfrequenzgesteuertes Training kann der Brustgurt deshalb einen deutlichen Vorteil bieten. Für eine auf einzelne Kilokalorien genaue Energiebilanz löst er das grundlegende Problem dagegen nicht.
Die Uhr weiß nicht exakt, wie effizient ein Mensch arbeitet
Menschen unterscheiden sich in ihrer Bewegungseffizienz. Zwei Personen können auf einem Ergometer dieselbe Leistung erzeugen und dafür einen etwas unterschiedlichen Stoffwechselaufwand benötigen.
Auch Lauftechnik, Trainingszustand und individuelle Physiologie beeinflussen die Ökonomie einer Bewegung. Wer eine bestimmte Geschwindigkeit sehr effizient läuft, benötigt möglicherweise weniger Energie als jemand, dessen Bewegungsmuster weniger ökonomisch ist.
Eine Fitnessuhr kann solche Unterschiede nur teilweise erkennen. Geschwindigkeit und Herzfrequenz liefern Hinweise, aber keine vollständige Messung.
Deshalb lässt sich aus äußeren Bewegungsdaten allein nicht perfekt bestimmen, wie viele Kalorien ein bestimmter Körper gerade verbraucht.
Aktive Kalorien und Gesamtkalorien sind nicht dasselbe
Viele Fitnessuhren unterscheiden zwischen aktiven Kalorien und dem gesamten Energieverbrauch. Diese beiden Werte werden leicht verwechselt.
Aktive Kalorien sollen jene Energie darstellen, die zusätzlich durch Bewegung und Training verbraucht wurde. Der Gesamtverbrauch enthält dagegen zusätzlich den Energiebedarf, den der Körper ohnehin für grundlegende Funktionen benötigt.
Auch beim Schlafen verbraucht ein Mensch Energie. Herz, Gehirn, Atmung, Temperaturregulation und zahlreiche Stoffwechselprozesse laufen weiter. Dieser Grundumsatz macht einen erheblichen Teil des täglichen Energieverbrauchs aus.
Wenn eine Uhr am Abend beispielsweise 700 aktive Kalorien und 2.400 Gesamtkalorien anzeigt, dürfen diese beiden Werte nicht addiert werden. Die aktiven Kalorien sind normalerweise bereits Bestandteil des Gesamtwertes.
Welche Begriffe verwendet werden, unterscheidet sich allerdings zwischen Herstellern. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, was die jeweilige App tatsächlich meint.
Auch der Ruheverbrauch ist nur geschätzt
Man könnte vermuten, wenigstens der Grund- oder Ruheenergieverbrauch sei genau. Tatsächlich wird auch dieser Wert meistens anhand persönlicher Daten und statistischer Gleichungen berechnet.
Eine Fitnessuhr führt schließlich keine direkte Stoffwechselmessung durch, während ihr Besitzer auf dem Sofa sitzt. Sie kennt Körpergewicht, Größe, Alter, Geschlecht und eventuell weitere Gesundheitsdaten und verwendet daraus einen geschätzten Ruheumsatz.
Für viele Menschen kann dieser Wert ausreichend plausibel sein. Individuelle Abweichungen bleiben trotzdem möglich.
Damit besteht der angezeigte Tagesverbrauch aus mehreren Schätzungen: einer Abschätzung des grundlegenden Energiebedarfs und zusätzlichen Berechnungen für Bewegung und Training.
Die Gesamtsumme wirkt dadurch genauer, als sie tatsächlich ist
Am Ende des Tages zeigt die Uhr vielleicht einen Gesamtverbrauch von 2.673 Kilokalorien an. Die Genauigkeit dieser Zahl ist optisch beeindruckend. Physiologisch wäre es allerdings angemessener, sie als grobe Schätzung zu betrachten.
Ob der tatsächliche Verbrauch 2.450, 2.700 oder 2.900 Kilokalorien betrug, lässt sich anhand der Uhr allein nicht sicher entscheiden.
Gerade die exakte Einerstelle sollte deshalb nicht überinterpretiert werden. Der Unterschied zwischen angeblich 2.672 und 2.673 Kilokalorien besitzt keinerlei praktische Bedeutung.
Die präzise Darstellung ist eine Eigenschaft der Software, keine Aussage über die Messgenauigkeit.
Die Uhr kann trotzdem Veränderungen gut sichtbar machen
Aus einer ungenauen absoluten Zahl kann trotzdem eine brauchbare Information entstehen. Entscheidend ist dabei die Betrachtung von Trends.
Wenn dieselbe Person dieselbe Uhr über längere Zeit verwendet, lassen sich aktive und weniger aktive Tage gut miteinander vergleichen. Ein Tag mit 18.000 Schritten, einer längeren Fahrradtour und hoher Aktivität wird normalerweise auch in der Uhr deutlich aktiver erscheinen als ein Sonntag auf dem Sofa.
Ob tatsächlich 900 statt 750 zusätzliche Kilokalorien verbraucht wurden, ist für diesen Vergleich weniger wichtig. Der Trend bleibt sichtbar.
Genau darin liegt eine der Stärken von Fitnessuhren. Sie ermöglichen es, Verhalten über längere Zeiträume zu beobachten, auch wenn einzelne absolute Werte ungenau sind.
Für eine Diät sollte man Trainingskalorien nicht blind zurückessen
Besonders problematisch wird die Kalorienanzeige, wenn sie unmittelbar mit einer Ernährungs-App verbunden wird. Manche Programme erhöhen das tägliche Kalorienbudget automatisch entsprechend der von der Fitnessuhr gemeldeten Aktivität.
Wer normalerweise 2.000 Kilokalorien essen soll und nach einem Training 700 vermeintlich verbrannte Kalorien vollständig wieder zuführt, verlässt sich darauf, dass sowohl der ursprüngliche Energiebedarf als auch der Trainingsverbrauch korrekt geschätzt wurden.
Liegen beide Werte daneben, kann ein geplantes Kaloriendefizit erheblich kleiner werden oder vollständig verschwinden.
Für eine Gewichtsreduktion ist es deshalb häufig sinnvoller, den realen Gewichtsverlauf über mehrere Wochen als Korrektiv zu verwenden. Sinkt das durchschnittliche Körpergewicht im gewünschten Tempo, passt die Energiebilanz unabhängig davon, welche theoretischen Werte einzelne Apps anzeigen.
Die Waage liefert langfristig eine wichtige Rückmeldung
Auch eine Körperwaage besitzt Schwankungen. Wasserhaushalt, Salzaufnahme, Kohlenhydratspeicher und Verdauungsinhalt können das Gewicht innerhalb weniger Tage deutlich verändern.
Über mehrere Wochen entsteht jedoch ein Trend. Wenn die durchschnittliche Energieaufnahme relativ konstant ist und das Körpergewicht dauerhaft sinkt, liegt im Mittel ein Energiedefizit vor. Steigt es, besteht langfristig ein Energieüberschuss.
Dieser reale Verlauf kann helfen, die theoretischen Angaben der Fitnessuhr einzuordnen. Wenn die Uhr jeden Tag einen enormen Verbrauch meldet, das Gewicht bei vermeintlichem Kaloriendefizit aber über viele Wochen unverändert bleibt, ist mindestens eine der verwendeten Schätzungen falsch.
Der Körper liefert dadurch gewissermaßen eine langfristige Plausibilitätskontrolle.
Ein einzelner Trainingstag sollte nicht überbewertet werden
Wer nach einer außergewöhnlich langen Wanderung 1.800 Aktivkalorien auf der Uhr sieht, kann sich über den aktiven Tag freuen. Daraus sollte jedoch keine exakte Ernährungsrechnung entstehen.
Auch Energieaufnahme lässt sich nicht vollkommen genau erfassen. Lebensmittelangaben besitzen Toleranzen, Portionsgrößen werden geschätzt und bei selbst zubereiteten Mahlzeiten entstehen weitere Ungenauigkeiten.
Auf beiden Seiten einer vermeintlich präzisen Kalorienbilanz stehen deshalb Schätzwerte.
Für langfristige Gewichtssteuerung ist das kein großes Problem. Über Wochen können Durchschnittswerte angepasst werden. Problematisch wird es nur, wenn eine einzelne Zahl als exakte naturwissenschaftliche Messung verstanden wird.
Unterschiedliche Uhren können unterschiedliche Ergebnisse anzeigen
Wer schon einmal zwei verschiedene Tracker gleichzeitig getragen hat, kennt möglicherweise ein irritierendes Ergebnis: Am Abend unterscheiden sich Schritte, Trainingskalorien und Gesamtverbrauch deutlich.
Das bedeutet nicht zwingend, dass eines der Geräte kaputt ist. Hersteller verwenden unterschiedliche Sensoren, Algorithmen und Modelle. Außerdem entscheiden sie unterschiedlich, welche Bewegung als Aktivität gewertet und wie der Energieverbrauch daraus berechnet wird.
Softwareupdates können diese Berechnungen sogar verändern, ohne dass sich die Hardware ändert.
Deshalb ist es wenig sinnvoll, Kalorienwerte unterschiedlicher Marken direkt miteinander zu vergleichen. 600 Aktivkalorien auf Gerät A müssen nicht dieselbe physiologische Bedeutung haben wie 600 auf Gerät B.
Für langfristige Trends ist es hilfreicher, möglichst dasselbe Gerät beziehungsweise dasselbe System zu verwenden.
Neuere Geräte sind nicht automatisch bei jedem Wert exakt
Sensoren und Algorithmen werden kontinuierlich weiterentwickelt. Moderne Smartwatches können zahlreiche Daten erfassen, die ältere Fitnessarmbänder nicht kannten. Trotzdem löst zusätzliche Technik nicht das grundlegende Problem der Energieverbrauchsschätzung.
Solange die tatsächlichen Atemgase und weitere Stoffwechselparameter nicht direkt gemessen werden, muss ein Teil der Berechnung aus indirekten Informationen erfolgen.
Neue Algorithmen können dadurch besser werden und sich stärker an individuelle Nutzer anpassen. Eine Garantie für exakte Kalorienzahlen entsteht daraus jedoch nicht.
Auch Untersuchungen moderner Geräte zeigen weiterhin, dass die Schätzung des Energieverbrauchs eine deutlich größere Herausforderung darstellt als beispielsweise die Erfassung der Herzfrequenz unter geeigneten Bedingungen.
Für Schritte sind Fitnessuhren häufig wesentlich nützlicher
Schritte sind ebenfalls nicht perfekt messbar. Armbewegungen können gelegentlich als Schritte erkannt werden, während bestimmte tatsächliche Schritte unentdeckt bleiben. Trotzdem ist die Aufgabe technisch einfacher als die Berechnung des Energieverbrauchs.
Ein Beschleunigungssensor kann typische Bewegungsmuster erkennen und daraus eine Schrittzahl bestimmen. Bei normalen Geh- und Laufaktivitäten funktioniert das bei vielen modernen Geräten brauchbar.
Gerade für die Alltagsbewegung kann die Schrittzahl deshalb ein sinnvollerer Orientierungswert sein als die vermeintlich exakte Kalorienzahl.
Wer sieht, dass er an typischen Bürotagen lediglich 3.000 Schritte und an aktiven Tagen 8.000 erreicht, erhält eine direkt nutzbare Information. Dafür muss nicht bekannt sein, ob die Differenz exakt 213 oder 347 Kilokalorien entspricht.
Auch Trainingszeit und Herzfrequenz können wichtiger sein
Für Ausdauertraining sind Dauer, Geschwindigkeit, Strecke, Leistung und Herzfrequenz häufig wesentlich interessanter als die Kalorienanzeige.
Ein Läufer kann beobachten, ob er bei vergleichbarer Herzfrequenz schneller wird. Ein Radfahrer mit Leistungsmesser sieht, ob er dieselbe Leistung länger aufrechterhalten kann. Wer mit niedriger Intensität trainiert, kann Zeit und Herzfrequenzbereich verfolgen.
Diese Daten beantworten konkrete Trainingsfragen. Die Kalorienzahl tut das häufig nicht.
Ein Training ist nicht automatisch besser, weil die Uhr anschließend einen höheren Energieverbrauch meldet. Ein intensiver, aber kurzer Kraftreiz kann für das Trainingsziel wertvoller sein als eine längere Einheit mit höherer Kalorienanzeige.
Der Kalorienwert kann trotzdem motivieren
Nicht jede Information einer Fitnessuhr muss wissenschaftliche Laborpräzision besitzen, um nützlich zu sein. Für manche Menschen motiviert die Aktivitätsanzeige dazu, häufiger spazieren zu gehen, Treppen zu benutzen oder regelmäßig zu trainieren.
Wenn 500 Aktivkalorien ein persönliches Tagesziel darstellen und dadurch mehr Bewegung entsteht, erfüllt die Zahl einen Zweck, auch wenn der tatsächliche Energieverbrauch möglicherweise deutlich davon abweicht.
Man sollte lediglich zwischen Motivation und Messung unterscheiden.
Eine Uhr kann hervorragend dazu motivieren, aktiver zu sein. Daraus folgt nicht, dass die angezeigten Kalorien als Grundlage einer medizinischen oder ernährungswissenschaftlich präzisen Energiebilanz geeignet sind.
Trends sind wichtiger als einzelne absolute Zahlen
Die wahrscheinlich sinnvollste Verwendung besteht darin, dieselbe Uhr unter ähnlichen Bedingungen über längere Zeit zu beobachten.
Zeigt sie an einem normalen Arbeitstag ungefähr 400 Aktivkalorien und nach einem sportlichen Wochenende 1.000, war das Wochenende offensichtlich aktiver. Ob die tatsächlichen Werte 320 und 850 oder 450 und 1.100 betrugen, verändert diese Aussage kaum.
Auch beim Training kann man vergleichen, wie sich ähnliche Einheiten entwickeln. Dabei sollten allerdings Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Dauer oder Leistung stärker gewichtet werden als die Kalorien.
Eine Fitnessuhr ist besonders gut darin, große Mengen persönlicher Daten kontinuierlich zu sammeln. Ihre Stärke liegt deshalb häufig in Mustern und Veränderungen und weniger in der perfekten Genauigkeit jedes einzelnen Messwerts.
Fitnessuhren sind Trainingshelfer und keine Stoffwechsellabore
Die moderne Smartwatch ist ein erstaunliches Stück Technik. Ein kleines Gerät am Handgelenk kann rund um die Uhr Bewegung erfassen, Puls messen, Strecken per Satellit aufzeichnen und zahlreiche Trainingsdaten zusammenführen. Man sollte ihr nur nicht Fähigkeiten zuschreiben, die technisch gar nicht vorhanden sind.
Der Kalorienverbrauch wird nicht direkt gemessen. Er wird anhand verschiedener Sensorinformationen und persönlicher Daten geschätzt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dabei weiterhin erhebliche Abweichungen beim Energieverbrauch, während andere Messgrößen wie Herzfrequenz unter passenden Bedingungen deutlich zuverlässiger sein können.
Für den Alltag ist das kein Grund, die Kalorienanzeige abzuschalten. Sie kann Aktivität sichtbar machen und langfristige Vergleiche ermöglichen. Wer jedoch Gewicht verlieren oder seinen tatsächlichen Energiebedarf bestimmen möchte, sollte die Werte nicht als exakte Vorgabe betrachten.
Am sinnvollsten ist die Zahl deshalb ohne falsche Präzision: Eine Uhr kann ziemlich gut erkennen, dass heute mehr Bewegung stattgefunden hat als gestern. Ob dabei aber tatsächlich exakt 713 Kilokalorien zusätzlich verbrannt wurden, weiß sie nicht. Und für ein erfolgreiches Training muss sie das auch gar nicht wissen.
