Mobility oder Stretching: Was ist eigentlich der Unterschied?

Mobility und Stretching werden im Fitnessbereich häufig beinahe synonym verwendet. Vor dem Training wird „ein bisschen Mobility“ gemacht, nachher gedehnt und in sozialen Medien finden sich ganze Routinen, die irgendwo zwischen Yoga, Gelenkkreisen und gymnastischen Übungen liegen. Dabei beschreiben Mobility und Stretching zwar verwandte, aber keineswegs identische Dinge. Stretching zielt vor allem darauf ab, die Beweglichkeit eines Muskels beziehungsweise einer Muskel-Sehnen-Einheit zu beeinflussen. Mobility geht weiter und beschreibt die Fähigkeit, einen verfügbaren Bewegungsumfang aktiv und kontrolliert zu nutzen.

Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn jemand beispielsweise das Bein im Liegen mit den Händen weit zum Oberkörper ziehen kann, es im Stehen aber aus eigener Kraft kaum entsprechend hoch anheben kann. Passiv ist ein großer Bewegungsumfang vorhanden, aktiv lässt er sich jedoch nicht vollständig kontrollieren. Gute Mobility bedeutet deshalb nicht einfach, besonders biegsam zu sein. Sie verbindet Beweglichkeit mit Kraft, Kontrolle und Koordination.

Stretching vergrößert vor allem den passiven Bewegungsumfang

Beim klassischen Stretching wird eine Körperstruktur in eine Position gebracht, in der eine deutliche Dehnung wahrgenommen wird. Das bekannteste Beispiel ist das Dehnen der hinteren Oberschenkelmuskulatur: Das Bein wird gestreckt und der Oberkörper nach vorne bewegt, bis die entsprechende Spannung zu spüren ist.

Wird diese Position über einen gewissen Zeitraum gehalten, spricht man von statischem Stretching. Daneben gibt es dynamisches Stretching, bei dem der Bewegungsumfang wiederholt und kontrolliert durchlaufen wird. Beide Varianten können Bestandteil eines sinnvollen Beweglichkeitstrainings sein.

Regelmäßig ausgeführtes Stretching kann den erreichbaren Bewegungsumfang erhöhen. Dabei verändert sich nicht zwingend ausschließlich die Länge eines Muskels. Auch die Toleranz gegenüber dem Dehngefühl kann sich verbessern. Eine Position, die anfangs unangenehm erscheint, wird nach einiger Trainingszeit weiter beziehungsweise leichter toleriert.

Das praktische Ergebnis bleibt dasselbe: Bestimmte Bewegungen lassen sich mit größerem Bewegungsumfang durchführen.

Mobility verlangt zusätzlich aktive Kontrolle

Mobility beschreibt dagegen die Fähigkeit, sich innerhalb eines Bewegungsbereichs aktiv zu bewegen und dort Kontrolle zu behalten. Dabei spielen Muskeln rund um das jeweilige Gelenk eine entscheidende Rolle.

Ein Mensch kann beispielsweise genügend passive Beweglichkeit besitzen, um die Arme vollständig über den Kopf zu bringen. Wenn die Schulterblattbewegung und die Muskulatur rund um die Schulter diesen Bereich nicht gut kontrollieren können, ist die aktive Beweglichkeit trotzdem eingeschränkt.

Mobility-Übungen kombinieren deshalb häufig einen größeren Bewegungsumfang mit aktiver Muskelarbeit. Statt lediglich in einer Position zu verharren, wird das Gelenk kontrolliert durch verschiedene Winkel bewegt. Langsame Hüftkreise, kontrollierte Schulterbewegungen oder tiefe Kniebeugen mit aktiver Stabilisierung sind typische Beispiele.

Damit liegt Mobility näher am eigentlichen Training als reines passives Dehnen.

Beweglichkeit ist immer gelenk- und bewegungsspezifisch

Es gibt nicht einfach einen Menschen, der insgesamt „beweglich“ oder „unbeweglich“ ist. Beweglichkeit unterscheidet sich zwischen einzelnen Gelenken und sogar zwischen verschiedenen Bewegungsrichtungen desselben Gelenks.

Jemand kann eine ausgezeichnete Beweglichkeit der Hüfte besitzen und gleichzeitig Probleme haben, die Arme vollständig über den Kopf zu führen. Ein anderer erreicht problemlos eine tiefe Kniebeuge, kann aber mit gestreckten Knien kaum die Hände Richtung Boden bewegen.

Deshalb sollten Mobility und Stretching nicht nach dem Prinzip trainiert werden, möglichst jede Körperregion maximal beweglich zu machen. Entscheidend ist, welche Bewegungsbereiche für Alltag, Training oder Sport tatsächlich benötigt werden.

Ein Gewichtheber benötigt beispielsweise einen anderen Bewegungsumfang als ein Läufer, während ein Turner wiederum völlig andere Anforderungen hat.

Mehr Beweglichkeit ist nicht automatisch besser

Im Fitnessbereich entsteht manchmal der Eindruck, jeder müsse möglichst beweglich sein. Doch Beweglichkeit ist keine Fähigkeit, bei der unbegrenzt mehr automatisch besser bedeutet.

Ein Gelenk benötigt genügend Bewegungsumfang für die gewünschten Bewegungen. Darüber hinaus wird zusätzliche Flexibilität nicht zwangsläufig zum Vorteil. Wer bereits problemlos alle für seinen Sport notwendigen Positionen erreicht, muss nicht versuchen, immer noch größere Winkel zu erzwingen.

Sehr bewegliche Menschen benötigen teilweise sogar mehr Stabilität und Kraft innerhalb ihres großen Bewegungsumfangs. Das gilt insbesondere bei ausgeprägter Gelenküberbeweglichkeit.

Das Ziel sollte deshalb nicht maximale Beweglichkeit sein, sondern ausreichend Beweglichkeit mit guter Kontrolle.

Mobility kann gleichzeitig Krafttraining sein

Viele gute Mobility-Übungen sehen auf den ersten Blick wie sanfte Beweglichkeitsarbeit aus, können für die beteiligte Muskulatur aber durchaus anstrengend sein.

Wer beispielsweise aus einer tiefen Kniebeuge kontrolliert aufsteht, trainiert nicht nur Beweglichkeit der Hüften und Sprunggelenke. Gleichzeitig arbeiten Beine und Rumpf. Das Gleiche gilt für eine aktive Beinhebung oder kontrollierte Schulterbewegungen gegen Widerstand.

Gerade an den Endpositionen eines Bewegungsumfangs ist aktive Kraft interessant. Dort ist die Muskulatur häufig weniger leistungsfähig als in mittleren Gelenkwinkeln.

Mobility-Training versucht deshalb häufig, genau diese Bereiche stärker kontrollierbar zu machen. Man gewinnt nicht nur zusätzliche Reichweite, sondern lernt, diese auch zu nutzen.

Statisches Stretching ist keineswegs veraltet

Manchmal wird Mobility als moderne Alternative dargestellt, die klassisches Stretching vollständig ersetzt. Dafür gibt es keinen guten Grund.

Statisches Dehnen ist eine einfache und wirkungsvolle Methode, um Beweglichkeit zu verbessern. Wer beispielsweise einen eingeschränkten Bewegungsumfang der Wadenmuskulatur besitzt, kann mit regelmäßigem Dehnen Fortschritte erzielen.

Problematisch wird statisches Stretching nicht grundsätzlich, sondern lediglich dann, wenn es ohne Bezug zum eigentlichen Ziel eingesetzt wird. Zehn Minuten wahlloses Dehnen sämtlicher Muskelgruppen vor jedem Training sind nicht automatisch sinnvoll.

Wer einen konkreten Beweglichkeitsengpass hat, kann statisches Stretching dagegen gezielt einsetzen und mit aktiven Mobility-Übungen kombinieren.

Vor dem Training eignet sich dynamische Bewegung häufig besser

Unmittelbar vor einer sportlichen Belastung geht es hauptsächlich darum, den Körper auf die kommenden Bewegungen vorzubereiten. Dafür eignet sich dynamisches Aufwärmen oft besser als langes statisches Dehnen.

Wer beispielsweise Kniebeugen trainieren möchte, kann Hüfte und Sprunggelenke kontrolliert durch größere Bewegungsbereiche bewegen und anschließend leichte Kniebeugen absolvieren. Vor einem Lauf bieten sich lockeres Einlaufen und dynamische Beinbewegungen an.

Damit wird nicht nur Beweglichkeit angesprochen, sondern gleichzeitig Körpertemperatur, Koordination und Muskelaktivität erhöht.

Das Aufwärmen sollte dabei zunehmend spezifisch werden. Die beste Vorbereitung auf eine schwere Kniebeuge besteht irgendwann darin, eine leichtere Kniebeuge auszuführen.

Langes statisches Dehnen unmittelbar vor maximaler Kraft kann ungünstig sein

Sehr intensives und lang gehaltenes statisches Stretching unmittelbar vor einer maximalen Kraft- oder Schnellkraftleistung kann die kurzfristige Leistungsfähigkeit etwas reduzieren. Besonders relevant wird dieser Effekt bei langen Dehnzeiten und wenn anschließend ohne weitere Vorbereitung direkt eine maximale Belastung folgt.

Daraus entstand teilweise die pauschale Aussage, man dürfe sich vor dem Sport niemals statisch dehnen. Das ist übertrieben.

Kurze Dehnungen innerhalb eines vollständigen Aufwärmprogramms stellen normalerweise kein großes Problem dar. Wenn jemand einen bestimmten Bewegungsumfang benötigt und ihn durch kurzes Stretching besser erreicht, kann dies sogar praktisch hilfreich sein.

Wer allerdings direkt vor einem schweren Maximalkraftversuch mehrere Minuten intensiv dieselbe Muskulatur dehnt, setzt möglicherweise den falschen Schwerpunkt.

Nach dem Training darf gedehnt werden

Das klassische Dehnen nach dem Training ist nicht schädlich, solange es angenehm durchgeführt wird. Es kann sich entspannend anfühlen und Bestandteil einer persönlichen Routine sein.

Man sollte davon allerdings keine Wunder erwarten. Stretching verhindert Muskelkater nicht zuverlässig und beschleunigt die Regeneration nicht plötzlich um mehrere Tage.

Wer gern nach dem Training einige Minuten dehnt, kann das problemlos tun. Wer dagegen keine Freude daran hat und bereits ausreichend Beweglichkeit besitzt, muss sich nicht aus schlechtem Gewissen zu einer langen Dehnroutine zwingen.

Gezieltes Beweglichkeitstraining kann zu einem anderen Zeitpunkt sogar effektiver sein, weil dann mehr Konzentration und Zeit zur Verfügung stehen.

Muskelkater lässt sich nicht einfach wegdehnen

Ein Muskel, der nach einer ungewohnten Belastung schmerzt, fühlt sich häufig steif an. Dehnen kann dieses Gefühl kurzfristig angenehm beeinflussen, beseitigt aber nicht die Ursache des Muskelkaters.

Sehr aggressives Stretching eines stark schmerzenden Muskels kann sogar unangenehm sein. In dieser Situation ist sanfte Bewegung meist die bessere Wahl.

Wer Muskelkater hat, sollte deshalb nicht versuchen, durch möglichst starkes Dehnen die Beweglichkeit gewaltsam wiederherzustellen. Der Körper benötigt hauptsächlich Zeit zur Erholung.

Leichtes Stretching ist erlaubt, sollte aber nicht als Therapie verstanden werden, die den Muskelkater aktiv aus dem Gewebe zieht.

Verkürzte Muskeln sind nicht die Erklärung für jedes Bewegungsproblem

Wenn eine Bewegung nicht funktioniert, wird schnell behauptet, irgendein Muskel sei „verkürzt“. Diese Erklärung ist häufig zu simpel.

Ein eingeschränkter Bewegungsumfang kann unterschiedliche Ursachen haben. Anatomische Gelenkstrukturen spielen eine Rolle, ebenso Muskelspannung, Dehntoleranz, Kraft, Koordination und individuelle Körperproportionen.

Bei einer tiefen Kniebeuge kann beispielsweise die Beweglichkeit des Sprunggelenks limitieren. Es können aber auch Hüftstruktur, Gleichgewicht oder die gewählte Fußposition beteiligt sein.

Deshalb lässt sich nicht jede Einschränkung durch mehr Stretching beheben. Manchmal ist eine andere Bewegungsausführung oder mehr Kraft in bestimmten Positionen die bessere Lösung.

Der Körper muss nicht überall „gelockert“ werden

Foam Rolling, Massagebälle und ähnliche Techniken werden häufig gemeinsam mit Mobility eingesetzt. Sie können kurzfristig das Bewegungsgefühl verändern und bei manchen Menschen den verfügbaren Bewegungsumfang etwas erhöhen.

Das bedeutet aber nicht, dass Faszien oder Muskeln wie verklebtes Material mechanisch auseinandergerollt werden müssten.

Der Körper ist kein Teig, der geschmeidiger geknetet werden muss. Veränderungen durch solche Maßnahmen entstehen wesentlich komplexer über mechanische und neurologische Prozesse.

Wer Foam Rolling angenehm findet, kann es als Teil eines Aufwärm- oder Mobilityprogramms verwenden. Es ist jedoch keine Voraussetzung für gute Beweglichkeit.

Krafttraining kann Beweglichkeit ebenfalls verbessern

Ein häufig unterschätzter Punkt ist, dass Krafttraining über einen großen Bewegungsumfang selbst einen Beweglichkeitsreiz darstellen kann.

Wer beispielsweise eine Kniebeuge kontrolliert immer tiefer ausführt, bewegt Hüfte, Knie und Sprunggelenk durch große Bewegungsbereiche. Bei Ausfallschritten oder bestimmten Zug- und Druckübungen entstehen ähnliche Effekte.

Krafttraining mit großen Bewegungsumfängen kann deshalb bei vielen Menschen Teile eines separaten Beweglichkeitstrainings ersetzen. Gleichzeitig wird die neu gewonnene Beweglichkeit direkt unter Belastung kontrolliert.

Das macht Krafttraining zu einer besonders praktischen Form aktiver Mobility.

Tiefe Kniebeugen sind ein gutes Beispiel

Die tiefe Kniebeuge zeigt sehr schön, warum reine Flexibilität und Mobility nicht dasselbe sind. Um tief und kontrolliert zu beugen, müssen mehrere Gelenke gleichzeitig ausreichend Bewegungsfreiheit besitzen.

Das Sprunggelenk benötigt eine gewisse Dorsalflexion, Hüfte und Knie müssen große Beugewinkel zulassen und der Rumpf muss die Position stabilisieren. Gleichzeitig beeinflussen Körperproportionen, Standbreite und Fußstellung die Bewegung.

Wer Probleme mit der tiefen Kniebeuge hat, muss deshalb nicht automatisch die hinteren Oberschenkel dehnen. Möglicherweise liegt die Einschränkung ganz woanders.

Eine gute Mobility-Routine sollte deshalb immer möglichst nahe an der tatsächlichen Zielbewegung arbeiten.

Auch die Schulter braucht Beweglichkeit und Kontrolle

Bei Übungen über Kopf wird die Bedeutung von Mobility besonders deutlich. Die Schulter besitzt einen enormen Bewegungsumfang, gleichzeitig müssen Schulterblatt und Oberarmknochen gut zusammenspielen.

Wer Schwierigkeiten hat, die Arme kontrolliert über den Kopf zu führen, kann verschiedene Ursachen dafür haben. Beweglichkeit der Brustwirbelsäule, Schultergelenk, Muskulatur und Schulterblattkontrolle können beteiligt sein.

Nur einen einzelnen Muskel intensiv zu dehnen, löst deshalb nicht zwangsläufig das Problem.

Kontrollierte Bewegungen durch den verfügbaren Bereich und gezieltes Krafttraining können hier mindestens ebenso wichtig sein wie passives Stretching.

Mobility muss nicht jeden Tag eine halbe Stunde dauern

Soziale Medien zeigen häufig komplexe Mobility-Routinen mit zahlreichen Übungen. Für normale Freizeitsportler ist ein solcher Aufwand meistens nicht erforderlich.

Wenn nur zwei konkrete Einschränkungen bestehen, können wenige Minuten gezielte Arbeit bereits ausreichend sein. Beispielsweise werden vor dem Beintraining zwei Übungen für das Sprunggelenk integriert und vor Übungen über Kopf einige kontrollierte Schulterbewegungen durchgeführt.

Wer einen deutlich größeren Beweglichkeitsgewinn erreichen möchte, kann zusätzliche Einheiten einplanen. Wie bei Krafttraining gilt allerdings: Regelmäßigkeit ist wichtiger als gelegentliche Marathonprogramme.

Fünf bis zehn Minuten, die tatsächlich mehrmals pro Woche stattfinden, bringen oft mehr als eine einstündige Routine einmal im Monat.

Mobility sollte immer einen konkreten Zweck haben

Ein sinnvoller Ausgangspunkt lautet: Welche Bewegung möchte ich ausführen, kann sie aber momentan nicht ausreichend kontrollieren?

Vielleicht fehlt Bewegungsumfang für eine tiefe Kniebeuge. Vielleicht lassen sich die Arme beim Schulterdrücken nicht angenehm über den Kopf bringen. Vielleicht ist eine bestimmte Position für eine Sportart notwendig.

Aus dieser Zielbewegung lassen sich passende Übungen ableiten.

Mobility ohne konkretes Ziel kann zwar angenehm sein, wird aber schnell zu einer Sammlung zufälliger Bewegungen. Wer genau weiß, was verbessert werden soll, kann seine Zeit wesentlich effizienter einsetzen.

Nicht jede anatomische Grenze lässt sich wegtrainieren

Menschen besitzen unterschiedliche Gelenkformen und Körperproportionen. Deshalb wird nicht jeder Mensch nach genügend Stretching exakt dieselben Bewegungspositionen erreichen.

Besonders an Hüfte und Schulter können anatomische Unterschiede beeinflussen, welche Bewegungsrichtungen angenehm beziehungsweise überhaupt möglich sind.

Wenn eine Position trotz langer Mobilityarbeit immer wieder unangenehm bleibt, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass noch härter gedehnt werden muss.

Manchmal ist eine leichte Anpassung von Standbreite, Griff oder Bewegungsausführung die individuell bessere Lösung.

Schmerzen sind kein notwendiger Bestandteil von Mobility

Stretching darf eine deutliche Spannung erzeugen. Stechende Schmerzen oder starke Gelenkbeschwerden sollten dabei jedoch nicht als Zeichen besonders effektiver Arbeit interpretiert werden.

Wer eine Position mit Gewalt erzwingt, gewinnt dadurch nicht automatisch schneller Beweglichkeit. Regelmäßige moderate Reize funktionieren langfristig meist besser.

Das gilt besonders für Menschen, die bereits bestehende Beschwerden haben. Eine schmerzhafte Schulter benötigt nicht automatisch noch aggressiveres Stretching.

Bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen sollte zunächst geklärt werden, warum die Bewegung Beschwerden verursacht.

Mobility kann an Ruhetagen stattfinden

Weil Mobilitytraining häufig relativ wenig ermüdend ist, lässt es sich gut an trainingsfreien Tagen durchführen. Eine kurze Routine kann mit Spaziergängen oder anderen leichten Aktivitäten kombiniert werden.

Notwendig ist das allerdings nicht. Wer Mobility lieber direkt in sein normales Training integriert, kann damit ebenfalls gute Fortschritte erzielen.

Besonders praktisch ist die Kombination mit den jeweiligen Kraftübungen. Vor Kniebeugen werden relevante Bewegungsbereiche vorbereitet, vor Oberkörpertraining Schulter und Brustwirbelsäule bewegt.

Dadurch benötigt man keinen zusätzlichen „Mobility-Tag“, wenn der Wochenplan ohnehin schon voll ist.

Flexibilität ohne Kraft kann wenig nützen

Ein großer passiver Bewegungsumfang ist nur dann sportlich wertvoll, wenn er in der benötigten Bewegung kontrolliert werden kann.

Wer beispielsweise passiv einen extrem großen Hüftbewegungsumfang besitzt, in einer tiefen Position aber keinerlei Kraft entwickeln kann, wird diese Flexibilität beim Krafttraining möglicherweise kaum nutzen können.

Deshalb sollte neu gewonnene Beweglichkeit möglichst mit aktiver Arbeit kombiniert werden. Nach einem Stretching können beispielsweise kontrollierte Wiederholungen im neuen Bewegungsbereich folgen.

So lernt der Körper nicht nur, eine Position zu erreichen, sondern auch, sie stabil zu beherrschen.

Kraft ohne ausreichende Beweglichkeit kann ebenfalls limitieren

Umgekehrt kann mangelnder Bewegungsumfang verhindern, dass Kraft sinnvoll eingesetzt wird. Wer eine erforderliche Position überhaupt nicht erreichen kann, kann dort selbstverständlich auch keine optimale Kraft entwickeln.

Ein Gewichtheber benötigt beispielsweise genügend Beweglichkeit, um die Positionen seiner Sportart einzunehmen. Ein Schwimmer benötigt eine andere Schulterbeweglichkeit und ein Läufer wiederum andere Anforderungen.

Mobility und Kraft sind deshalb keine Gegensätze. Sie ergänzen sich.

Die optimale Beweglichkeit ist genau so groß, wie sie für die gewünschten Bewegungen benötigt wird – kombiniert mit ausreichend Kraft und Kontrolle.

Anfänger müssen ihre vermeintlichen Defizite nicht überanalysieren

Wer neu im Fitnessstudio ist, entdeckt schnell zahlreiche Videos über unbewegliche Hüften, schlechte Sprunggelenke oder mangelnde Schulter-Mobility. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, der eigene Körper müsse erst wochenlang korrigiert werden, bevor normales Training möglich ist.

In den meisten Fällen stimmt das nicht. Viele Bewegungen lassen sich einfach mit einer passenden Variante beginnen.

Wer keine tiefe freie Kniebeuge beherrscht, kann zunächst eine Beinpresse, Box Squats oder andere Varianten nutzen. Wer beim Schulterdrücken Probleme hat, kann einen anderen Winkel wählen.

Währenddessen verbessert regelmäßiges Training häufig bereits Kraft, Koordination und Beweglichkeit.

Mobility sollte Training ermöglichen und nicht zu einer endlosen Vorbereitung auf Training werden.

Stretching bleibt sinnvoll, wenn tatsächlich Beweglichkeit fehlt

Bei all der Betonung aktiver Bewegung sollte das klassische Stretching nicht untergehen. Wenn ein bestimmter Bewegungsumfang eingeschränkt ist und mehr Flexibilität für das Trainingsziel benötigt wird, kann regelmäßiges statisches Dehnen hervorragend funktionieren.

Wichtig ist lediglich, gezielt zu arbeiten. Statt den gesamten Körper wahllos zu dehnen, wird jene Beweglichkeit trainiert, die tatsächlich fehlt.

Wer beispielsweise Schwierigkeiten mit der Beweglichkeit des Sprunggelenks besitzt, kann entsprechende Dehn- und Mobilisationsübungen regelmäßig durchführen und anschließend den Fortschritt in der Zielbewegung prüfen.

Verbessert sich die Kniebeuge, hat die Maßnahme ihren Zweck erfüllt.

Mobility und Stretching sind keine Konkurrenten

Am sinnvollsten ist es, beide Begriffe nicht gegeneinander auszuspielen. Stretching kann den verfügbaren Bewegungsumfang vergrößern. Mobilitytraining hilft dabei, diesen Bewegungsumfang aktiv zu kontrollieren.

Je nach Ziel kann deshalb eine Kombination besonders effektiv sein. Zunächst wird eine eingeschränkte Position durch Stretching zugänglicher gemacht, anschließend wird sie durch aktive Bewegung und Krafttraining stabilisiert.

Wer bereits genügend Bewegungsumfang besitzt, benötigt dagegen möglicherweise kaum zusätzliche Dehnarbeit und profitiert stärker von aktiven Übungen.

Die richtige Mischung hängt immer von der individuellen Ausgangslage ab.

Beweglichkeit sollte dem Training dienen und nicht umgekehrt

Mobility ist kein eigenständiger Wettbewerb darum, möglichst extreme Gelenkpositionen zu erreichen. Sie soll dabei helfen, gewünschte Bewegungen kontrolliert und komfortabel durchführen zu können.

Für viele Freizeitsportler reichen deshalb einige grundlegende Prinzipien: Bewegungen regelmäßig über einen möglichst großen schmerzfreien Bereich ausführen, vorhandene Einschränkungen gezielt bearbeiten und die neu gewonnene Beweglichkeit mit aktiver Kraft verbinden.

Statisches Stretching ist dabei keineswegs überholt. Es ist lediglich eines von mehreren Werkzeugen. Dynamische Bewegung, Krafttraining über große Bewegungsumfänge und gezielte Mobilityübungen ergänzen es.

Der Unterschied lässt sich am Ende einfach zusammenfassen: Stretching hilft vor allem dabei, einen Bewegungsbereich zu erreichen. Mobility bedeutet, diesen Bereich aktiv zu beherrschen. Für gutes Training ist meistens nicht die größtmögliche Flexibilität entscheidend, sondern genau so viel Beweglichkeit, wie man für seine Bewegungen benötigt – und die Kraft, sie auch kontrolliert zu nutzen.

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